Schreibzeit – Was bedeutet Glück für mich?

Schreibzeit_Glück

Diese Frage stellt Bine ihren Lesern in der aktuellen Schreibzeit. Im ersten Augenblick fängt man dann schon mal an zu grübeln. Aber wenn man es genau betrachtet, hatte ich in meinem Leben schon eine ganze Menge Glück.
– Ich habe Glück gehabt, zwei so tolle Eltern zu haben.
– Ich habe dann auch gleich noch mal Glück gehabt, denn auch bei den Geschwistern hätte man          Schlechtere haben können.
– Eine glückliche unbeschwerte Kindheit
– Eine Schule, die meine Schwächen gezielt förderte und mir so zu einem Abschluss mit Abitur       verhalf.
– Eine Freundin meiner Eltern, die mir zu meiner Ausbildungsstelle verhalf und so weiter und so fort…
Ich kürz das mal ein bisschen ab, sonst wird das doch etwas langatmig.

Aber alles in allem sind das Dinge und Gegebenheiten, die ich nicht, oder nur bedingt beeinflussen konnte. Wer kann sich seine Eltern schon aussuchen.
Ich glaube, dass Glück etwas ist, das zu einem kommt und man es ergreifen muss, wenn es da ist. Nur leider erkennt man es nicht immer. Wie viele Gelegenheiten hatte ich in meinem Leben wohl schon, die mir Glück gebracht hätten, hätte ich sie nur erkannt, oder mehr Mut gehabt.
Aber es macht keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Viel sinniger ist doch die Frage, ob man glücklich ist mit den Entscheidungen, die man für sich und sein Leben getroffen hat.

Klar, ein bisschen Glück zu haben, kann bei dem Umstand, glücklich zu sein, nicht schaden. Aber die Frage, ob man glücklich ist oder nicht, hängt doch in erster Linie von der inneren Einstellung zu den Dingen ab.
Ich bin durchaus zufrieden mit meinem Leben, wie es jetzt ist. Allein die Tatsache, sonntagnachmittags vorm Haus mit einer Tasse Kaffe sitzen zu können und einfach nur seine Ruhe zu haben, macht mich wirklich restlos glücklich.
Aber den Umstand habe ich ja auch ganz bewusst so herbeigeführt: Der schöne Platz vorm Haus ist nicht vom Himmel gefallen und der Pott Kaffee auch nicht. (zum Glück, sonst wäre er jetzt nämlich kaputt). Der Volksmund würde jetzt sagen: „Ich habe da meinem Glück etwas auf die Sprünge geholfen.“ Ich selbst würde eher sagen: “Ich habe einige Weichen gestellt, um Glücklich zu sein.“  Dann gibt es aber auch Situationen, die man nicht beeinflussen kann. Beispielsweise, wenn jetzt jemand Nerviges auf den Hof geeiert käme. Dann wäre es vorbei mit der Glückseligkeit. Aber ich bin ja schlau. Ich gräme mich nicht weiter darüber, halte einen netten kleinen Schwatz und bin dann eben auch mit der Situation glücklich, dass uns Jemand besucht. So ist es eben ein Stück weit eine Frage der Einstellung, ob man glücklich ist oder nicht. Man muss halt auch mal alle Fünfe gerade sein lassen, das Schicksal annehmen.

Meine Schwiegermutter erzählt oft von früher, was für ein glückliches Leben sie bis hierhin hatte. Und auch der Umstand, dass ihr Mann schwer krank und pflegebedürftig ist, schmälert diesen Zustand zwar, aber sie ist doch sehr glücklich, zwei Kinder zu haben, die sie in dieser Situation unterstützen und für sie da sind.
Sie hat diesen schweren Schicksalsschlag für sich angenommen und versucht jeden Tag aufs Neue, mit der Situation klar zu kommen. Sie sagte mir neulich, dass sie glücklich ist, für ihren Mann da sein zu können. Ich finde das sehr bewundernswert.

Glück haben, und glücklich sein sind also zwei ganz verschiedene Dinge. Und oft ist es doch das Streben nach dem vermeintlichen Glück, was uns unglücklich macht. Ich finde es viel schöner, einfach nur zufrieden zu sein und meinen Frieden zu haben.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Ich kürz das mal ein bisschen ab, sonst wird das doch etwas langatmig.“ … hihi, da musste ich sehr lachen!

    Die Frage nach dem Glück und dem Glücklichsein hab ich ja auch lang gewälzt (gehört halt dazu, wenn man Philosophie studiert). Das sind ja zwei Dinge von denen wir da sprechen. Zum einen das Glück als „vorteilhafter Zufall“, das einem wiederfährt. Wenn man 1000 Mark im Lotto gewinnt. Und zum anderen das Glück als Gemütszustand, die Glückseeligkeit, wenn man „glücklich und zufrieden“ ist. Du hast da – meiner bescheidenen Meinung nach – also völlig Recht, wenn Du sagst, dass das eigentliche Glück was anderes ist.

    Ich halte es da ja v.a. mit Albert Camus, der gesagt hat, dass es darauf ankommen, sich selbst FÜR ETWAS zu entscheiden. Was das ist ist völlig gleichgültig, denn im Angesicht dessen, wie die Welt gebaut ist, mit der Unausweichlichkeit des Todes und dem Fortschreiten von Geschichte und Universum, macht es defakto eh keinen Unterschied, für oder gegen was man sich in der Sache entscheidet. Aber selbst die Entscheidung zu fällen, etwas zur eigenen Sache zu machen, DARIN liegt glück, ganz gleich, wie unbedeutend, nebensächlich, absurd oder irrelevant diese Sache auch sein mag.

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  2. Der Gedanke, das Glück selbst in die Hand zu nehmen, gefällt mir besonders gut. Denn das bedeutet, es liegt auch in unserer Hand. Das ist zwar nicht immer so im Leben, wie Du schon schreibst, aber nur tatenlos am Leben teilzunehmen und auf das große Glück zu warten, ist für mich auch kein (Aus-)Weg.

    Und ich bin gerade glücklich, weil ich mich in Deine Eseltasse verliebt habe! OHHH! Woher ist die denn?!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    • Ich liebe diese Tasse auch über alles (eigentlich liebe ich alles wo Esel drauf sind). Die habe ich vor Jahren mal in Paderborn auf einem Handwerksmarkt gekauft. Ich war auch so schlau eine Visitenkarte mitzunehmen, weil ich für meinen Mann noch eine mit nem Elefanten kaufen wollte. Die hat er dann zum Geburtstag bekommen:-). Die Web-Side ist: http://www.toepferei-tonart.de/ . Ich würde da einfach mal anrufen. Die Frau ist sehr nett. Die haben zwar keinen Online-Verkauf, aber sie schickt dir bestimmt gerne eine Tasse zu.

      Schönen Abend noch und LG,
      Katrin

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