Trümmergöre

Trümmergöre

von Monika Held

Trümmergören sind die Kinder der Nachkriegszeit. Die zwischen ausgebombeten Straßenschluchten „Der Russe kommt“ spielen. Die sich die Kriegsgeschichten der Eltern und Großentern anhören und für ganz normal befinden. Die lieber beim Onkel auf dem Schottplatz Autos Putzen als die Schularbeiten zu machen. Jula ist so eine Trümmergöre. Aufgewachsen im zerbombten Hamburg der Nachkriegszeit wird die vierjährige halbweise von ihrem Vater bei der Großmutter abgegeben. Er arbeitet beim auswertigen Amt und schickt Tochter und Großmutter regelmäßig Karten aus aller Herren Länder, die die beiden sorgfältig in ein Album kleben.

Die nächsten acht Jahre leben Jula nun bei Ihrer Großmutter, die sie von herzen liebt und in ihr die Tochter sieht die sie nie hatte. Nicht minder vergöttert wird sie von ihrem Onkel Hans der mit im Haus lebt. Doch sowohl die Großmutter wie auch der Onkel reden kein Wort miteinander. Warum das so ist fragt eine vierjährige nicht. Doch das ein dunkles Geheimnis über der Familie liegt ahnt der Leser an dieser Stelle bereits.

Erzählt wird das Leben der kleinen Jula aus ihrer Sicht. Nun ist sie eine Frau um die 30 und schreibt die  Erinnerungen an ihre Kindheit nieder. Und das macht diese Buch auch so besonders. Der Schreibstil ist zwar ein bisschen wirr zu lesen, doch sind Erinnerungen genau so. Ich habe mich beim lesen immer wieder an meine eigene Kindheit erinnert gefühlt. (Wobei meine mit der von Jula nicht das geringste gemeinsam hatte.) Wenn ich am Wochenende mal bei Oma war und was wir dann für Rituale hatten. Was eine schöne Zeit. Bis zu letzt habe ich geglaubt das es sich hier um einen autobiografischer Erzählung handelt, da ich mir nicht vorstellen konnte, wie man Erinnerungen so treffend beschreiben kann ohne sie selbst erlebt zu haben. Doch nach kurzer Recherche stellte ich fest, das doch alles fiktiv war und doch so real erschien. Fast schien es so als könnte man die wirren Bilder in Jula’s Kopf wie in einem nebolösen Film sehen, So wie man die eigenen Bilder die man im Kopf hat auch nie ganz klar sieht.

Eine einfühlsam erzählte Erinnerung, die durch ihre Bilderreiche Sprache dem Leser das gefühl gibt direkt im Kopf der Erzählerin zu sitzen und genau mit anzuschauen wie Jula zwischen Schrottplatz, Kietzkneipen, der Liebe Ihrer Großmutter und dem Großbürgerlichen Leben des Vaters, dem Dunklen Geheimnis das Ihren Onkel zu dem gemacht hat der er war, auf die Spur kommt.

  • Humor: Sucht man hier vergebens. Vermutet man bei dem Titel aber auch nicht.
  • L’amour: Auch die Liebe innerhalb einer Familie ist eine Art von liebe und hier ein Zentrales Thema.
  • Fantasie: Wie schon geschrieben ist dies, zu meinem Erstaunen keine autobiographische Erzählung. Doch bin ich mir sehr sicher das sich diese Geschichte so ähnlich vielfach im Nachkriegsdeutschland abgespielt hat. Erschreckten real.
  • Fesselfaktor: Wenn man anfällig ist für die düstere Zeit nach 1945 und wie die Menschen doch versucht haben das beste drauß zu machen, durchaus. Ich für meinen Teil finde diese Zeit sehr fessseln. Gerade weil die Menschen dieser Zeit so stark waren und sich wieder aufgerappelt haben. Trotz der schlimmen Dinge die geschen sind und hier so nachdrücklich dargestellt werden. Vor diesen Menschen und ihren Geschichten habe ich die größte Hochachtung.
  • Tiefgang: Na Kar, Nachkriegsgeschichten haben immer Tiefgang.
  • Schreibstil: Ich muss wirklich an dieser Stell einmal sagen das ich so einem Schreibstil noch nicht begegnet bin. Die Fähigkeit, den Leser in die ungefilterten Erinnerungen der Erzählerin zu versetzen ist schon etwas ganz besonderes. Wenn auch bestimmt nicht einfach zu lesen. Aber es lohnt sich.
  • Couver / Titel: Das Couver hat für mich leider gar nichts mit den Bilder zu tun, die die Erzählung in mir hinaufbeschworen hat. Weder sehe ich dadrin die Trümmergöre noch das Alte Haus in der Wielandstraße in dem so viele Erinnerungen wohnen. Leider nicht getroffen. Aber der Titel ist treffend, wenn auch etwas nichtssagend.
  • Empfehlenswert: Nur für Leute die die Mühen einer etwas anderen Art der Erzählung nicht scheuen. Für die wird es sich aber lohnen.

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