Der große Mann und das kleine Klavier

Kenn ihr diese schwarzen Tage? Du stehst auf mit Kopfschmerzen. Dann fällt dir auf dem Weg zum Auto dein Lieblingsthermobecher runter und ist kaputt. Also nix lecker Tee auf dem Weg zur Arbeit. Bei selbiger hast du noch ordentlich Knies mit den Kollegen und bekommst von einer Vorgesetzten ein Tritt mit Anlauf. Abends hast du Karten für son schnulziges Klavierkonzert in Hannover. Das heißt mindestens eine Stunde hinfahren dann sich schrecklich viel Mühe geben nicht einzuschlafen und ne Stund wieder zurück fahren. Das braucht man an sonem miesen Tag nun wirklich nicht auch noch. Aber die Karten waren nun schon mal da und Absagen kam nicht in Frage. GOTT SEI DANK. Sonst hätte ich eines der schönsten Konzert meines bisherigen Lebens verpasst.

Das Leibniz-Theater in Hannover ist eine charmante kleine Örtlichkeit in der man nicht nur Theater geboten bekommt. Von Literaturkaffee über Kabarett bis hin zu guter Musik wird einem in diesen frisch renovierten Räumlichkeiten alles geboten, was das kulturelle Herz begehrt. Und es ist so richtig nach meinem Geschmack. Klein und gemütlich, aber auch mit viel liebe zum Detail eingerichtet und gestaltet. Schade das Hannover so weit weg ist.
Im Leibniz-Theater spielte auf jeden Fall am letzten Freitag Martin Herzberg. Ein Pianist, der mir bis dato fast gänzlich unbekannt war. Meine Freundin hat den irgendwo im Internet ausgegraben und meinet, das würde mir gefallen gefallen. Da müssen wir hin. Recht hatte sie! Ich hätte nie gedacht, das ein so großer und ungelenk wirkender Mann aus einem so kleinen Klavier derart verzückende Töne locken kann. Glücklicher weise haben wir uns einen Platz ausgesucht von dem aus man auf die Klaviatur schauen konnte. Es war ein wares Schauspiel zu sehen wie er die Tasten anschlägt. Wobei er das gar nicht zu tun scheint. Er streichelt sie, berührt sie, umschmiegt sie, schlägt sie, hämmert auf sie ein, knetet sie, bewegt sie und verführt sie um ihnen das zu entlocken was uns alle für gut zwei einhalb Stunden in eine Welt jenseits von Stress und Hektik (und nervigen Vorgesetzten) versetzt hat, schlicht weg seine Musik. Zwischen den Songs konnte man ein bischen erschnuppern wer Martin Herzberg eigendlich ist.  Klar, gehört zu so einem Pianisten immer auch eine gute Portion Herzschmerz dazu. Aber er gibt seinen Songs Arbeitstietel wie „Crazy Shit“ und hat es noch nicht ganz raus auf der Bühne gekonnt einen Schluck wasser zu trinken. Und das hat diesen eh schon so tollen Abend noch ganz fein abgerundete. Martin scheint nämlich ein Mensch wie du und ich zu sein. So hat er mit  seinen kleinen Moderation zwischen den Songs es immer wieder geschafft seinem Publikum ein „Wir“ Gefühl zu vermitteln, was mir besonders gut gefallen hat. Er ist halt auch nur irgend ein lustiger Typ, der vielleicht etwas besser Klavier spielt als ich. Und mit so jemanden verbringe ich gerne mal eine netten Abend in einem kleinen Theater mitten in Hannover bei richtig guter Musik.

 

Einen lieben Dank auch noch an Diana. Sie ist extra für dieses Konzert aus Kiel angereist und hat mir die Bilder das Aufmacherbild zu verfügung gestellt.

Und wenn ihr jetzt auch mal Lust auf so einen schönen Abend habt findet ihr hier die nächsten Termine. Glaubt mir, es lohnt sich.

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