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Jello

Ich hatte mir letztes Jahr vorgenommen das wir nur Tier „in Not“ aufnehmen. So welche die eigentlich keiner haben will. Denen man ein schönes Zuhause schenken kann. Die Heime sind voll und das Leid der Tiere groß. Da ist es mir unbegreiflich warum sich die Menschen immer noch kleine Katzen vom Bauern holen oder sogar kleine Hund von irgendwelchen dubiosen Händlern aus dem Ausland. So werden die Bauern niemals lernen wie wichtig die Kastrationspflicht ist. Die niedlichen kleinen Kitten werden sie ja immer ganz leicht wieder los. Und was ist mit den armen Teufeln im Tierheim…?

Ich hätte aber nicht gedacht, das ich, nachdem Jesse und Johann bei uns eingezogen sind, so schnell wieder an meinen guten Vorsatz erinnert werde.
Johann wurde vor Fünf Wochen bei und an der Straße, direkt vorm Haus überfahren. Es ist hart, aber wenn man seinen Katzen Freigang gewähren möchte muss man mit so etwas rechnen und ich bin froh das ich ihm wenigstes noch ein schönes halbes Jahr hier bei uns auf dem Hof ermöglichen konnte.
Nachdem Johann nicht mehr da war wurde sein kleiner Bruder Jesse immer anhängliche. (An dieser Stelle kann man mal sehen wie zutraulich und verschmust ein vermeintlicher Problemkater werden kann. Nach etwas mehr als einem halben Jahr hört Jesse auf seinen Namen und mein Wort. Oft sogar besser als mein Hund es ja getan hat.) Wir dachten er sucht unsere Nähe, weil er ja nun viel alleine war und beschlossen uns mal umzuschauen. Und so kamen wir zu Jello oder besser er zu uns. Ein gut 10 Monate alter Kater, der den größten Teil seines Lebens im Heim zugebracht hat. Da er in seinem kleinen Leben schon viel krank war findet er Menschen und besonders das, was ihre Hände tun, ganz schlimm. Außerdem hat er eine kleine motorische Störung beim laufen, weshalb er in der Gruppe, in der er lebte auch immer der rangniedrigste war. Dazu kommt noch das er seine Angst und Unsicherheit, allem und jedem gegenüber, mit einem sehr niedlichen Fauchen überspielte. Klar das so einen keiner haben will, wenn es auch beim Züchter so liebe und gesunde Kätzchen gibt. Es war wirklich herz zerreißend mit anzusehen wie die anderen im immer die Leckerlis weggenommen haben die ich ja eigentlich für ihn mitgebracht habe.
Also wurde das kleine fauchende etwas unter Einsatz unseres Lebens und das des Tierheimpersonals eingepackt und Jesse vor die Nase gesetzt. „Schau mal was wir dir mitgebracht haben. Ein Freund mit dem du nun wieder gemeinsam die blöde Nachbarskatze verjagen kannst“. Leider sah Jesse das etwas anders. Es sind halt doch wilde Tiere die ihre ganz eigenen Regeln haben. Jesse findet Jello extrem doof und hat auch sehr schnell durchschaut das Jello ihm, durch seine motorische Einschränkung,  körperlich unterlegen ist. Es kam immer öfter zu Auseinandersetzungen und das Ende vom Lied war dann, das Jello sich nur noch in einem offenen Regalfach aufhalten durfte, ohne das Jesse ihn sofort attackiert. Es hat mich wirklich unglaublich viel Nerven und Kraft gekostet, das mitansehen zu müssen. Ebenso der Verdacht, das es ihm im Heim wohl doch besser gegangen wäre. Aber so schnell wollte ich mich jetzt doch nicht geschlagen geben. Getreu nach dem Motte „Am Ende wird alle gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das End“ Also habe ich mir Hilfe geholt. Unter anderem von einer Tier-Heilpraktikerin die mir einige homöopathische Mittel an die Hand gegeben hat, aber auch den Rat die beiden Stresspusteln räumlich zu trennen. Also haben wir keine Kosten und Mühen gescheut und letztes Wochenende ein Katzennetz quer durch meine Werkstatt gespannt. So kann Jesse Jello nicht mehr verprügeln und Jello kann endlich ganz in Ruhe lernen das die menschliche Hand vielleicht ja doch ganz nützlich ist. Nun setzen wir auf den Faktur Zeit und das die beiden Streitkater sich im laufe der nächsten Wochen oder Monate soweit annähern das vielleicht ja doch ein nebeneinander möglich macht. Ich glaube zwar nicht, das die Zwei jemals zusammen in einem Körbchen schlummern werden, aber wer weis. Ich hätte vor einem halben Jahr auch noch nicht gedacht das Jesse mir mal freiwillig auf den Schoß springt und sich da selig schnurrend einrollt. Wunder geschehen halt immer wieder. Aber man muss auch was dafür tun.

Apropro tun… An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei dem unfreiwilligen Katzenfreund an meiner Seite bedanken. Eigentlich wollte mein Mann gar keine Katzen und nun schlägt er sich die Wochenenden mit katzennetzinstalations Aktionen um die Ohren. Aber so ist das halt in einer Familie. Da ist man für einander da und lässt den Anderen auch nicht hägen, auch wenn es gerade mal ein bisschen unbequem wird. Und Jello gehört jetzt eben auch zu Familie.