Diese Woche ist es wieder soweit. In Rietberg ist Klimawoche. Und das Programm kann sich wirklich sehen lassen. Kommt super schlank und auf den Punkt im neuen Flyerformat daher.
Ich bin mir sicher das für jeden, der sich für das Thema interessiert, etwas dabei ist. Und für alle anderen tut es mir Leid. Dieses Thema ist so aktuell und present wie es nur sein kann. Letzte Woche hat mir jemand gesagt das Klimaschutz doch jetzt total „uncool“ wär. Was soll man da noch zu sagen… Wie kann so etwas „uncool“ sein. Allein das Wort regt mich schon auf.
Für mich ist Klimaschutz etwas das mich jeden Tag und vor allem im Alltag begleitet. Ich kann so viel tun, auch wenn es nur ganz kleine Dinge sind. Aber genau das ist es was mich so antreibt. Die Möglichkeit der Selbstwirksamkeit.
Und genau darum finde ich die Klimawoche so super. Die Gelegenheit das Thema auch mal aus dem Alltag herraus zu holen und für eine Woche in den Fokus meines Terminkalenders zu holen.
Ich war neulich das erste Mal seit mehr als acht Jahren wieder „Oben“… Viele die mich kennen wissen bei diesem einen Wort schon was gemeint ist. „Oben“ ist „An der Nordsee“. Nie Ostsee, nie Dänemark oder gar Schweden. Immer nur Nordsee! Um genauer zu sein, auf Eiderstedt. Das ist eine Art Landzunge die am Anfang von Tönning, am Ende von Husum, rechts von der B5 und Links eben von der Nordsee begrenzt wird. Oben ist für mich auch eine Art Heimat und eben auch nicht. Ich habe hier fast alle Ferien meiner Kindheit verbracht. Aber es waren halt auch immer nur die Ferien. Trotzdem bin ich nie Tourist gewesen und werde es auch hoffentlich nie sein. Touristen haben für mich schon fast den Status eines Feindbildes. Aber dazu später mehr.
Ein Großteil meiner Familie lebt hier und somit kenne ich hier eigentlich nur den Alltag und Die Menschen die wirklich hier leben. Ich glaube ich kenne sie ganz gut. Ich konnte sie viele Jahr beobachten und studieren. Sie sind ein bisschen wie ihr Land. Sie sind oft rau, etwas wortkarg und manchmal auch unterkühlt. Aber sie sind auch ehrlich und was ich an ihnen am meisten schätze, sie sind authentisch. Sie legen nicht viel Wert auf Schein und Sein und du brauchst dir auch gar nicht erst viel Mühe geben mit „mein Haus, mein Auto, mein Schiff“ Das zählt hier alles nicht, das ärgert sie meist nur, weil sie glauben das du dich für was besseres hält, was du garantiert nicht bist. Wenn sie dich mögen, dann tun sie dass, weil du bist wie du bist und nicht was du bist. Für einen Städter wie mich ist das nicht immer ganz leicht. Aber ich habe ja den Familienbonus.
Besonders mag ich ihre Sprache. Menschen die mich „Oben“ schon mal erlebt oder ein Telefonat mit meiner Mutter belauscht haben, wissen wovon ich rede und schmunzeln jetzt wahrscheinlich ein wenig. Ich kann nichts dagegen tun, es passiert ganz automatisch und ich verfalle in den gleichen, leicht schnodderigen Schnack, den ich so sehr liebe. Ich glaube als Halbeinheimische darf ich das auch ohne übergriffig zu werden. Aber eins würde ich nie tun. Ich würde nie „Moin“ sagen. Ich finde es so unfassbar respektlos was viele Touristen aus dieser Sprache machen, die den Nordfriesen so eigen ist wie ihr Wind und die Weiten. Dörte Hansen hat es in ihrem Buch „zur See“ so treffend auf den Punkt gebracht wie kaum jemand vor ihr. Und eben der Gipfel der Unverschämtheit ist dieses „Moin“. Ein Wort das inzwischen wohl die ganze Welt kennt und leider auch jeder für sich und seine Zwecke missbraucht. An wirklich jeder Souvenir-Bude und jedem noch so kleinen Andenken-Stand wird es dir entgegen geschmettert. „Moin“ auf Mützen, auf Regenschirmen auf Bechern auf Schlüsselanhängern und was weis ich wo sonst noch überall drauf. Es ist so massiv das es schon fast zu einer Farce wird. Egal ob beim Bäcker neben dir ein Bayer oder ein Sachse steht jeder sagt „Moin“. Weil sie alle glauben das sie dann so besonders einheimisch daherkommen. Weil sie glauben das sie dann dazu gehören würden und das ja auch jeder hören muss und auch bitte hören soll. Ob er will oder nicht! Ich für meinen Teil werde nie dazu gehören. Und so bin ich schon seit 40 Jahren nicht Fisch und nicht Fleisch. Und das ist auch ok so. Denn wie Anfangs schon erwähnt werde ich hier gemocht weil ich bin wie ich bin und das ist eben nicht von hier. Und vielleicht ist es genau das, was mich hier so zufrieden macht und zur Ruhe kommen lässt. Hier kenne ich meinen Platz.
Es ist schon wieder so weit. Der Wapelbadmarkt in Gütersloh bildet, wie in so vielen Jahren, den Saisonstart der Frühlingsmärkte. Für mich ist es immer ein bisschen wie Heimspiel. Ich war jetzt schon so oft mit meinem Stand dabei, das ich mich ganz besonders freue, auch alte Bekannte und Standnachbarn wieder zu sehen.
Aber es gibt natürlich auch einiges Neues. Ich konnte im letzten Winter mein Sortiment richtig toll erweitern und bringe viel schöne neue Dinge für deinen Garten, aber vor allem für deine Gartenbewohner mit.
Auch diesen Winter haben einige Stauden in unserem Garten nicht überstanden. Ich bin mir sicher das ein Großteil auf das Konto der Wühlmäuse geht. Aber auch die wollen Leben und gehören zum Großen ganzen dazu. Eben so wie Josef, der Staudengärtner meines Vertrauens. Der Freut sich auch wenn er mir im Frühjahr was verkaufen kann. Und das tue ich fleißig wie ihr hier sehrt. Alles ausgesuchte Bienenweiden-Pflanzen, die sich an unserem Standort schon bewährt haben. Nur die Wilde Karde ist neu. Ich bin gespannt wie es ihr bei uns gefällt.
Mein letzter Jahresrückblick ist bedauerlicher weise schon länger als ein Jahr her. Und das ist schade. Eigentlich sollte man so etwas ja jährlich machen, sonst macht es nicht viel Sinn. In diesem Sinne ist das hier mein Versuch das nun sterbende Jahr 2023 mal ein bisschen in Worte und Bilder zu fassen. Nicht unbedingt für die Nachwelt, als viel mehr für mich selber.
Arbeit
Tatsächlich sehe ich, wenn ich mit meinem inneren Auge auf dieses Jahr zurück blicke, eine ganze Menge Arbeit. Das meine ich jetzt nicht negativ. Ganz im Gegenteil. Ich hatte dieses Jahr ausnahmslos tolle Jobs mit noch tolleren Partnern und Kunden. Für meine Verhältnisse bin ich sogar richtig weit rumgekommen. Ich war immerhin in Köln und in Berlin auf zwei großen Messen. Ich durfte mit Prominenz arbeiten aber auch mit alten Kollegen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ich konnte meinen Horizont erweitern und durfte viel neues lernen. Beruflich war es wieder aller Erwartungen ein super Jahr. Und dabei wollte ich schon die Flinte ins Korn werfen und mal etwas ganz anderes machen. Aber wie das immer so ist… Vieles weis man erst zu schätzen wenn es plötzlich nicht mehr da ist.
Schlupflocharchitektur
Anfang des Jahres habe ich meinen ersten Töpferofen gekauft. Dazu kamen, ebenfalls Anfang des Jahres, mein neugestaltetes Schupflochartelier direkt bei uns auf dem Hof. Das hat mich in meiner Arbeit als Schlupflocharchitektin natürlich einen riesen Schritt weiter gebracht. Ich kann jetzt ganz unabhängig meine Bienensteine töpfern und brennen und auch neue Produkte für Wildbienen, Gartenvögel und Co gestalten und entwerfen. Tatsächlich bin ich mit meiner Gartentöpferei noch ganz am Anfang. Doch konnte ich mir dieses Jahr schon sehr viel Wissen und Praxis aneignen. Der Anfang ist gemacht. Es gab auch einige sehr schöne Markttage in 2023. Der Tag der Biene, an dem wir einen Stand auf der Landesgartenschau in Höxter hatten ist mir noch am eindringlichsten im Gedächtnis geblieben. Es war wirklich grandios. So viele Menschen die interessiert waren am Schutz unserer Windbienen und heimischen Insektenwelt. Ich habe so tolle Gespräche geführt und fabelhafte Menschen kennen gelernt, die alle das selbe Ziel vor Augen haben. Da weis man wieder warum man das macht. Und wenn ich hier beim Schreiben so auf meinen Garten runter schau und der adipösen Spatzengesellschaft am Futterhaus zuschaue, dann weis ich es auch. So sollte es in jeden Garten aussehen. Das ist das Ziel.
Bewohner
2023 hat sich in der Tat einiges getan hier im Hinterland. Einige Bewohner sind gegangen, andere sind neu dazu gekommen. Denn einer meiner wichtigsten Grundsätze ist: “Wo ein Platz frei wir, soll er wieder besetzt werden“ Das hört sich für viele Hart an. Und sicherlich trauere ich auch eine Zeit um den oder die, die gegangen sind. Aber der Lauf der Zeit geht weiter. Und der Sinn meines Daseins hier auf diesem Hof ist es nun mal, so vielen wie möglich ein gutes Leben zu ermöglichen. Davon bin ich fest überzeugt. Ganz früh im Jahr ist Berta unsere älteste Henne gestorben. Ich glaube sie hatte ein wirklich gutes Hühnerleben. Sie war wirklich alt. Und dann darf ein Huhn auch mal sterben. Ebenso wie Hanne. Sie gehörte auch zu den ersten Hühnern die vor vielen Jahren hier ankamen. Sie musste ich jedoch leider einschläfern lassen. Stöpsel, unser vollkommen durchgeknallter und hyperaktiver Hamster starb nach einem wirklich langen Hamsterleben ganz plötzlich im Spätsommer. Und dann war da noch Konstantin. Einer der beiden Igel die ich vor wenigen Wochen hier aufgenommen habe. Ich habe Konstantin an einem eisigen und verschneiten Samstag Mittag im Garten gefunden. Mit seinen 400g war er viel zu leicht und auch vom Wuchs noch zu klein für den langen Winter, den wir ja eigentlich noch vor uns haben. Erst hat er sich ganz gut entwickelt. Hat viel gefressen und auch schnell zugenommen und wurde fast ein wenig zutraulich. Aber dann war er eines Morgens ganz plötzlich tot. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Das hat mich tatsächlich am meisten getroffen. Aber so ist es nun mal. Igel sind Wildtiere. Da steckt man nicht so drin. 2023 kamen natürlich auch einige neue Bewohner zu uns ins Hinterland. Wir haben drei neue Hennen, die ich leider nicht so gut auseinander halten kann. Darum heißt eine Clementine und die anderen zwei, die sich sehr ähneln Irmy. (Namentliche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein Zufällig). Unser schönes Hamstergehege sollte auch nicht leer bleiben. Marico, ein extrem scheues Hamstermädchen, zog im Herbst bei uns ein. Ich dachte mir, mal etwas Ruhe nach dem vollkommen überdrehten Stöpsel kann auch nicht schaden. Aber das war ein Trugschluss. Nach nur drei Monaten heißt Marico jetzt Marie (mein Mann konnte sich den Namen einfach nicht merken) und ist sehr lieb und zutraulich. Das ist natürlich schön zu sehen, wenn man einem so kleinen und verängstigtem Tier die Sicherheit und Geborgenheit geben kann die sie anscheinend gebraucht hat. Unser letzter Neuankömmling ist Gustav. Der noch verbleibende Igel. Gustav saß eines Abends Anfang November ziemlich verfroren und mit 320g viel zu klein vor meiner Tür. Erst ging es ihm gar nicht gut und er musste auch tatsächlich zum Tierarzt und dann noch mal zwei Wochen in der Igelstation behandelt werden. Mittlerweile scheint er das schlimmst hinter sich zu haben, frisst sich gerade reichlich Speck an und geht hofendlich noch in den Winterschlaf. Und dann gab es noch eine Begegnung die mich wirklich sehr gefreut hat. Dieses Jahr hat ein Kiebitz-Pärchen in Sichtweite von unserem Land gebrütet. Zwar leider erfolglos, aber immerhin. Vielleicht ist es ein Anfang und sie kommen nächstes Jahr wieder. Der Kiebitz ist immerhin „Vogel des Jahres 2024“. Es war auf jeden Fall ein so beeindruckendes Erlebnis, immer wieder die Flugkünste dieser Luftakrobaten beobachten zu können. Und das alles ganz ohne Fernglas von der Gartenbank aus.
Das Hinterland
Auch bei uns auf dem Land hat sich im letzten Jahr so einiges getan.Im Frühjahr haben wir auf der Blühfläche vorm Haus, knapp die Hälfte neu eingesät. Tatsächlich war das nicht ganz einfach und mein Vorgehen auch nicht ganz schlau. Aber aus Fehlern lernt man. Und ein Ökosystem wie unsere Blühfläche gibt es halt nicht von der Stange. Trotzdem ist es spannend zu beobachten wie sich das Leben hier entwickelt und die Artenvielfalt steigt. Wenn ich Abends beobachte, wie die Feldhasen auf dem noch warmen Sand der neuen Flächen liegen und sich wärmen, wenn ich später am Abend beobachte wie die jungen Eulen vom Nachbarhof über unserer Blühfläche ihre ersten Flugversuche machen und wenn man spät in der Nacht den Fledermäusen zuschaut wie sie genau die Grenzen der Fläche immer wieder abfliegen, weil nur hier eine so große Insektenpopulation zu finden ist, dann weis ich, doch was richtig gemacht. Das ist der Lohn.Im Garten hat sich dagegen weniger getan. Aber ganz bewusst. Nicht weit von uns bietet ein Permakulturhof seit diesem Jahr eine Gemüse-Ernte-Kiste an. Das fand ich so super wie unterstützenswert. Alle zwei Wochen haben wir ein Kiste bekommen, Rand voll mit allem was auf dem Hof geerntet wurde. Aus diesem Grund habe ich meine eigenen Hochbeete dieses Jahr nur mit Wildkräutern und Blumenmischungen als Experimentierfläche genutzt und selber keinen Gemüse angebaut. Das war auf der einen Seite sehr praktisch, weil ich mich um nicht viel kümmern musste, auf der anderen Seite aber auch ein bisschen schade. Eigentlich hat mir die eignen Ernte doch gefehlt. Es geht doch nichts über noch sonnenwarme, frisch gepflückte Tomaten direkt von Strauch.
Gelesen
Rückblickend bin ich ganz fasziniert, das es wirklich mal zeiten in meinem Leben ganb in denen ich es geschafft habe jeden Monat hier ein Buch zu besprechen. Tatsächlich schaffe ich das heute nicht mehr und auch in diesem Jahr bin ich weit davon entfernt. Trotzdem habe ich es immerhin geschafft 5 Bücher durchgeschmökert. Die waren auch wirklich alle gut und sollen hier ihre Erwähnung finden.
Alles in Allem…
… war 2023 ein Jahr auf das ich sehr gerne zurückblicke. Klar war nicht immer alles so sonnig wie sich das hier gerade liest. Es gab auch einige Situationen und vor allem Menschen die mich wirklich tief enttäuscht haben. Aber daraus habe ich gelernt. Auch gab es Momente, die mich überfordert haben, und mich natürlich traurig gemacht haben. Aber so im Nachhinein kann ich sagen, das mir diese Erfahrungen geholfen haben, mich und meine Fähigkeiten besser einzuschätzen und meine Weg zu finden. So hatte auch das Jahr 2023 seine Facetten. Und ich will das garnicht werten, was gut oder schlecht war. Eins ist auf jeden Fall sicher. 2023 war Bunt.
Ich habe mich wirklich sehr gefreut, als die Deutsche Wildtierstiftung letzte Woche das Wildtier des Jahres 2024 vorgestellt hat. Der Igel hat das rennen gemacht.
Zufällig habe ich c.a. eine Woche vorher zwei Igel in meinem Garten gefunden die für diese Jahreszeit und Witterung einfach zu klein waren. Das ist jetzt nichts Ungewöhnliches, wenn auch nichts Gutes. Ich finde fast jedes Jahr Igel die Hilfe brauchen. Im Allgemeinen bringe ich sie dann in die fachkundigen Hände der nahegelegen Igelstation. Aber irgendwie hatte ich dieses Jahr die fixe Idee die beiden Stachelritter selber durch den Winter zu bringen. Die Igelstation hat schließlich schon genug zu tun und so schwer kann das doch nicht sein. Schließlich hatte ich vor einigen Jahren schon mal zwei Igel im Winterquartier.
Somit zogen letzte Woche erst Gustav und dann Konstantin mit Sack und Pack bei uns im Badezimmer ein. Auf der einen Seite freu ich mich Ihnen Helfen zu können. Auf der Andern Seite frage ich mich warum gerade der Igel immer wieder Hilfe braucht und es scheinbar so schwer hat.
Tatsächlich ist das auch der Grund warum der Igel zum Wildtier des Jahres gekrönt wurde. Er hat es in unserer Kulturlandschaft, in unseren Städten und Parks aber auch in unseren Gärten wirklich erschreckend schwer. Das ist Fakt und das macht mich sehr traurig!
Grund genug, mich im kommenden Jahr intensiv mit dem Igel und seinen Bedürfnissen auseinander zu setzten. Ich bin mal sehr gespannt, was ich alles in meinem Garten umsetzten kann um es dem Igel ein wenig einfacher zu machen, sich bei uns wohl zu fühlen und ein Leben zu führen das seinem Wesen entspricht.